Jazztage 2014

Konzertbesprechung

Besonderes Jazzerlebnis - Vibraphon und Gesang

Kraichtaler Jazztage endeten in der Kelter in Bahnbrücken

Kraichtal-Bahnbrücken (art). "Tanz mit den Tönen und Spiel mit der Stimme", so könnte man diesen Abend der Kraichtaler Jazztage auf einen kurzen Satz reduzieren. Thomas Biel hatte als Urheber und Veranstalter mit dem letzten Konzert der diesjährigen Kraichtaler Jazztage erneut eine musikalische Besonderheit aufs Programm gesetzt. Von der Unterschiedlichkeit der Künstler und von so manchen Überraschungen für die Gäste leben die Kraichtaler Jazztage. Das zeichnet sie aus. Das Duo und Ehepaar Wolfgang Lackerschmid am Vibraphon und Stefanie Schlesinger, Gesang rief in der Historischen Kelter von Bahnbrücken großen Applaus hervor und zum Schlussapplaus standen die Zuhörer teilweise in den Bankreihen, um ihre Anerkennung auszudrücken. Eine große Vielfalt an Songs und Musiken präsentierten die beiden Künstler dem Publikum. Sei es eine Gedichtvertonung, ein Song aus dem Musical Showboat, eine Arie aus Figaros Hochzeit oder eine Filmmelodie von Franz Grothe sowie Jazzstandards. Mit ihrer klaren und intensiven Stimme und ihrem Jazzgesang prägte Stefanie Schlesinger das Konzert aus den Tiefen bis in die höchsten Höhen. Sie konnte sich aber auch zurücknehmen wenn Wolfgang Lackerschmid auf dem Vibraphon improvisierte. Er begeisterte und brachte die Zuhörer zum Staunen mit seiner rasanten Spielweise und einem Universum an Tönen, das er auf den Metallplatten seines Vibraphons schuf. Lackerschmid erklärte den Zuhörern das Instrument und die vielen Variationsmöglichkeiten, die es bietet. Es ist deshalb im Jazz sehr beliebt. Grundsätzlich ergeben die Metallplatten einen harten, "kalten" Ton, was dazu geführt haben mag, dass es dem Konzert, trotz der Perfektion - oder gerade deshalb? - stellenweise etwas an Wärme, Farbe und Emotion fehlte. Das Vibraphon gehört zur Perkussionsgruppe und findet oft zusammen mit anderen Instrumenten Verwendung. Lackerschmid spielte es an diesem Abend solo. Schon das allein war etwas Besonderes bei diesem Konzert. Beim Improvisieren kam es vor, dass Lackerschmid die Metallplatten mit dem Geigenbogen zum Klingen brachte und damit einen ganz eigenen schwingenden Ton erzeugte. Er hämmerte bei seinem Spiel oder dämpfte die Töne, zog sie in die Länge und erzeugte wabernde Tremolos. Jazzstandards bekamen einen neuen Klang im Zusammenspiel von Stimme und Vibraphon. Die Arie aus Figaros Hochzeit wurde zur Samba, mitreißend zum Mittanzen - wäre nur der Platz gewesen. So blieb es beim Kopfnicken und beim Fußwippen. Eine klassische Filmmusik von Franz Grothe beschwor die hereinbrechende Nacht: "Ganz leise, ganz leise, kommt die Nacht." Hervorragend nahm das Vibraphon die Stimmung auf - ganz leise - und die Stimme folgte und ergänzte - ganz leise. Dann der Wechsel in eine Samba, wobei immer wieder die Liebe Lackerschmids zum Latinjazz aufblitzte.

Am Schluss hieß es bei den Zugaben: "So nice to meet you - Es war nett Sie zu treffen." Von den beiden Künstlern gerichtet ans Publikum - Es konnte aber auch umgekehrt gelten: Es war toll die beiden Musiker in der Kelter von Bahnbrücken zu treffen - Danke, Thomas Biel, für das Jazzerlebnis!