Jazztage 2014

Cecil Verny Quartett

Konzertbesprechung

Jazz mit spirituellem Charakter

Cécile Verny Quartett eröffnete die Kraichtaler Jazztage und begeisterte das Publikum

 

Kraichtal-Bahnbrücken (art). "Kunst ist nicht nur zum Genießen", sagte die Jazzsängerin Cécile Verny bei ihrem Konzert in der Kelter von Bahnbrücken zur Eröffnung der diesjährigen Kraichtaler Jazztage. Damit nahm sie Bezug auf einen ihrer Songs mit dem Titel "No ID" - "Keine Identität", den sie den Bootflüchtlingen aus Afrika gewidmet hatte. "Wieviel Hoffnung muss man haben, um sich auf diesen Weg zu machen?" fragte sie. Es war ein sehr intensives Stück, sowohl stimmlich als auch instrumental.
Cécile Verny verzaubert die Zuhörer mit ihrer wandlungsfähigen Stimme und ihre drei Begleiter, Bernd Heitzler am Bass, Andreas Erchinger, Tasten und Lars Binder, Schlagzeug, weben den Klangteppich, mit dem sie sich in die Weiten des Jazz aufschwingt. Cécile Verny wiegt sich im Rhythmus, spielt mit ihrer Stimme, improvisiert, lässt ihrer Kreativität freien Lauf und sie selbst wird zum "Klangkörper", im wahrsten Sinn des Wortes. Sie lebt die Töne auf der Bühne. Die drei Musiker umspielen sie mit ihren Instrumenten. Mal tritt die Sängerin zurück und lässt den Solos ihren Lauf. Bernd Heitzler flitzt mit den Fingern über die Basssaiten, Lars Binder bearbeitet seine Trommeln, Becken und Toms mit Vehemenz und Andreas Erchinger tanzt mit seinen Fingern auf den Tasten. Es ist ein grandioses Zusammenspiel, das nach jedem Stück mehr Applaus erntet. Das Konzertprogramm folgte der aktuellen CD "Fear & Faith" - "Furcht und Glaube".
Rhythmusbetonte Stücke wie "Lord Have Mercy" mit einem kräftigen Beat wechselten mit ruhigen Balladen wie "Time to Let You Go", Groove wechselte mit Smooth. Da fallen die Basstöne wie Wassertropfen in ein Bassin, die Trommeln dröhnen dumpf unter den Filz-Mallets und Andreas Eichinger träumt mit seinen Fingern auf dem Klavier. Das Quartett greift Alltagssituationen und Gefühle auf und setzt sie in Töne um. "Wir haben aus unserer Zeitnot auf den Tourneen eine Tugend gemacht, schildert Cécile Verny die ersten Schritte zur neuen CD. „Anstatt in den Pausen oder während der Off-Days rumzuhängen, verabredeten wir uns in unseren Hotelzimmern zum Jammen.“ Daraus entstand die CD und damit auch das Konzertprogramm von Bahnbrücken. Die Texte handeln von Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Trennung, von Freude und Trauer, Hingabe und Enttäuschung. "Ich kann nicht in dieser Welt leben, ohne darüber zu reflektieren", sagt Cécil Verny. "Angst und Glaube, Fear and Faith gehören einfach dazu. Die CD hat für mich auch einen spirituellen Charakter.“