Quadro Nuevo

Sechs Orte, sechs Konzerte, sechs Stilarten

 

Das Kraichgau Jazzfestival präsentierte international bekannte Musiker

 

Kraichtal-Bahnbrücken (art) "Jedes Konzert hatte einen anderen Charakter", sagte Thomas Biel am Ende des diesjährigen Kraichgau Jazzfestivals und zog ein positives Fazit nach sechs Konzerten. "So viele Konzerte hatten wir noch nie. Sie waren alle sehr gut besucht bis ausverkauft." Der große Organisationsaufwand hat sich gelohnt: Kraichtal und die Orte der Region konnten bei diesem Festival Topp-Musiker der Jazz-Szene erleben, die oft nur in bekannten Städten spielen und in großen Sälen. Auch heuer haben wieder das Land Baden-Württemberg und zahlreiche private Sponsoren und Jazzliebhaber das Festival unterstützt. Es hat sich im Laufe der Jahre und durch das Engagement von Beate und Thomas Biel einen guten Namen in der Öffentlichkeit und in der Jazz-Szene erworben. Die Musiker kommen gerne, auch zum wiederholten Mal, nach Kraichtal zum Jazzfestival. "Die Atmosphäre stimmt, das Publikum ist sehr aufmerksam und begeisterungsfähig, die Konzertorte sind originell und die Organisation ist bestens", bekommt man auf Nachfrage immer wieder zu hören.

 

Zum ersten Mal in Kraichtal war das Quartett "Quadro Nuevo", das den letzten Abend des Festivals bestritt in der Historischen Kelter in Bahnbrücken. "Tango" hieß ihr Programm, für das sie im Jahr 2014 eigens nach Buenos Aires, Argentinien, gereist waren, zur Quelle des Tango. Die Vier präsentierten ihre Tango-Versionen mit Bandoneon (ein Muss für Tango), Kontrabass, Piano und wechselweise mit Saxophon oder Klarinette. Sie ließen den Kommissar ermitteln bei einem Kriminal-Tango oder rasten mit dem "Buenos Aires Taxi Drive" durch die Stadt. Sie nahmen ihre Zuhörer mit auf eine Reise nach Ägypten und erzeugten ein typisch orientalisches Klangbild mit der Klarinette und passend instrumentierter Percussion. Ein anderes Mal beschrieben sie italienisches Ambiente mit "Canzone della Strada". Sie wechselten zwischen rasantem Tempo und beschaulichen Abschnitten. Andreas Hinterseher spielte sehr akzentuiert und rhythmisch sein Bandoneon, das er hin und wieder auch gegen Akkordeon oder gegen eine Form der Melodika eintauschte. Dietmar D. Lowka strich, zupfte und schlug die Saiten seines Kontrabasses und bildete die Basis für den Groove sowohl beim Tango als auch bei den anderen Rhythmen. Zeitweise nutzte er seinen Bass sogar als riesiges Percussion-Instrument, dem er äußerst phantasievoll die Töne entlockte. Chris Gall am Piano begeisterte mit hohem Tempo und mit kreativem Spiel. Aus dem offenen Klavier holte er ungeahnte Töne hervor. Mulo Francel spielte Saxophon und Klarinette mit Leidenschaft: warme einhüllende Töne und aufschreckende schrille Laute, Fernweh erzeugende Tonfolgen und fremdländische Klänge aus dem Orient. So nahmen die Vier ihre Zuhörer mit auf eine musikalische Reise bei der man fast nicht still sitzen bleiben konnte. Trefflich unterstützt von Franz Heller, der immer für das passende Licht auf der Bühne sorgte.

 

In ähnlicher Weise hatte der Jazztrompeter Thomas Siffling mit Band drei Tage vorher die Zuhörer für sich gewonnen beim Konzert in Unteröwisheim im Schlosskeller des CVJM Baden mit Stücken aus seiner neuen CD "Flow", die viele elektronische Elemente enthält. Er bezeichnete sie selbst als "Groovebetonte Musik für Jung und Alt zum Wohlfühlen, Mitwippen, Tanzen und entspannt in den Flow kommen."

 

Mit diesen beiden Konzerten feierte das diesjährigen Kraichgau Jazzfestival einen begeisternden Abschluss.

 

v.l.: Chriss Gall (Piano), Andreas Hinterseher (Bandoneon), Mulo Francel (Saxophon) und Dietmar D. Lowka (Bass)